Die Schlusssirene war verstummt, als Michael Höwt in Richtung Siebenmeterpunkt schritt. Mit einem Treffer hätte der Kapitän des HC Empor Rostock seinem Team gegen den HSV Hannover einen Punkt sichern können. Doch Höwt, der zuvor seine vier Versuche „vom Punkt“ zu 100 Prozent genutzt hatte, patzte im entscheidenden Moment. Enttäuscht zog er sich sein knallgelbes Trikot über den Kopf – die 27:28 (10:16)-Heimpleite war besiegelt.

„Das ist extrem bitter, dass ich diese Chance nicht genutzt habe“, meinte Höwt. Dass den Rostocker Drittliga-Handballern der im Kampf gegen den drohenden Abstieg wichtige Punkt verwehrt blieb, lag aber nicht allein in der Verantwortung des Linksaußen. Die Ursachen für die Niederlage des HCE waren zuallererst in der ersten Halbzeit zu finden, in der die Gäste aus Niedersachsen dominierten, während die Mannschaft von Trainer Till Wiechers Aggressivität und Durchschlagkraft zu oft vermissen ließ.

Empor hatte in der Anfangsphase Mühe, sich gegen die gut gestaffelt stehende Abwehr der Gäste durchzusetzen. Besser wurde es erst, als Wiechers Mitte der ersten Hälfte sein System umstellte und Felix Mehrkens ins Spiel brachte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der HSV schon viermal ins leere Rostocker Tor getroffen. Der HCE-Coach hatte zu Beginn bei eigenen Angriffen den Torhüter durch einen Feldspieler ersetzt. Empor nutzte die Überzahlsituationen aber zu selten, Hannover hingegen die Abschlussschwäche der Blau-Gelben eiskalt.

Und so trotteten die Gastgeber mit der schweren Hypothek von sechs Treffern Rückstand in die Pause. „Wir haben zu viele Bälle verloren und den Gegner damit eingeladen“, haderte Mehrkens, der einer der Auffälligsten in den Reihen der Ostseestädter war. „Aber wir haben uns nie aufgegeben“, fügte er hinzu.

Nach dem Seitenwechsel drehte die Wiechers-Truppe zwar auf, verkürzte den Rückstand und weckte bei den Fans die Hoffnung, dass doch noch was zu holen ist. Mehrfach gab’s die Gelegenheit, auf einen Treffer heranzukommen. Doch dann scheiterten Spieler wie Julius Porath im Abschluss oder man leistete sich technische Fehler im Angriff.

„Wir hatten uns für die zweite Halbzeit mehr vorgenommen, zumal das Spiel gegen Oranienburg in der Vorwoche ähnlich verlaufen ist“, sagte Wiechers, der trotz der Niederlage die Moral lobte. Für Empor ist die Aufgabe in den verbleibenden elf Saisonspielen nach dieser Niederlage noch schwerer geworden. „Wir wollen den Klassenerhalt sichern. Und das wird uns gelingen“, ist der Coach zuversichtlich.

Statistik:

HC Empor: L. Mehler, Jöhnck – Meuser 3, Witte, Iliopoulos, Schramm, D. Mehler, Höwt 7/4, Prüter 1, Haasmann, Mehrkens 4, Lux, Breitenfeldt 8, J. Porath 4.

HSV Hannover: Heuer, Lange – Benckendorf 3, Forst, Brandes 5/1, Grujic 2, Mazic 5/1, Muscheiko, Barsch, Schenker 7/4, Müller 5.

Siebenmeter: HCE 6/4, HSV 8/5.

Strafminuten: HCE 4 plus Disqualifikation Lux (46.), HSV 6.

Christian Lüsch

(Ostsee-Zeitung)