Der Handball-Sportverein Hamburg hat in seiner erst 18-jährigen Geschichte zahlreiche sportliche Erfolge errungen und in jüngerer Vergangenheit einen im deutschen Profisport wohl einmaligen Sturzflug hingelegt. Im Jahr 2013 feierten die Elbestädter nach einem 30:29-Finalsieg über den FC Barcelona den Gewinn der Champions League – drei Jahre später spielten sie in der 3. Liga.

Aufstieg und Absturz des Vereins sind eng mit dem Namen Andreas Rudolph verbunden. Der Präsident (2005-2011 und 2013-2014) und Mäzen, der nach eigenen Angaben insgesamt 50 Millionen Euro in die HSV-Handballer investierte, war mit 74,9 Prozent an der 2005 gegründeten HSV Handball Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG beteiligt. Anfang Mai 2014 erklärte er seinen Rücktritt und stürzte den Verein damit in finanzielle Turbulenzen.

Eine Woche später erhielten die Handballer von der Handball-Bundesliga (HBL) keine Lizenz für die Saison 2014/15, die aber vom Schiedsgericht nach zwei Einsprüchen doch noch erteilt wurde. Weil der Verein dabei nicht mit offenen Karten gespielt hatte und die finanzielle Lage sich weiter verschlechterte, stellte der damalige Geschäftsführer Christian Fitzek im Dezember 2015 einen Insolvenzantrag für die Betriebsgesellschaft. Bereits am 20. Januar 2016 entzog die Lizenzierungskommission der HBL nachträglich die Lizenz für die Saison 2015/16. Fünf Tage später meldete der Insolvenzverwalter die Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb der Bundesliga ab.

Somit durfte für die Saison 2016/17 keine Lizenz für die 1. und 2. Bundesliga beantragt werden. Da die zweite Mannschaft in der Saison 2015/16 Oberliga-Meister geworden war, trat sie als erste Mannschaft in der 3. Liga Nord an. Das erklärte Ziel, den sofortigen Aufstieg in die 2. Liga, verfehlten die Hamburger in der vergangenen Spielzeit als Dritter relativ deutlich. Jetzt soll ein neuer und möglichst erfolgreicher Anlauf genommen werden, wobei bereits ein Wermutstropfen die Bilanz trübt. Gegen Mitfavorit TSV Altenholz gab es eine 29:30-Heimniederlage.

Hinter den Kulissen und auf der Bank ist der HSV Hamburg so prominent besetzt wie kein anderer Verein der 3. Liga. Der 193-fache Nationalspieler Martin Schwalb (54) zieht als „Vize“ neben Präsident Marc Evermann maßgeblich die Fäden hinter den Kulissen, Trainer ist Weltmeister Torsten „Toto“ Jansen (178 Länderspiele). Der 40-Jährige trat im März dieses Jahres die Nachfolge von Jens Häusler an.

„Ich habe im Verein jetzt eine neue Aufgabe und die werde ich mit maximaler Motivation angehen“, versprach Jansen bei seinem Amtsantritt. Dafür steht ihm ein Kader mit nicht weniger als 21 Spielern zur Verfügung. Der prominenteste Akteur ist zweifellos der kroatische Olympiasieger Blaženko Lacković. Der 36-Jährige wechselte im Sommer vom THW Kiel zurück an die Elbe, wo er bereits von 2008 bis 2014 unter Vertrag stand. Doch trotz aller Prominenz: Unschlagbar sind die Hamburger nicht – siehe Altenholz.

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Burkhard Ehlers