Nach fünf Jahren als Trainer im Nachwuchsbereich der SG Flensburg-Handewitt wurde Till Wiechers am vergangenen Samstag nach dem 35:25-Sieg des SG Juniorteams gegen den Meister der 3. Liga Nord, den TSV Altenholz, mit minutenlangen stehenden Ovationen der 300 Zuschauer sowie beider Teams gebührend verabschiedet. In der kommenden Saison wird der 33-Jährige an der Seitenlinie des HC Empor Rostock stehen, der als Tabellenletzter der Zweiten Bundesliga in die Dritte Liga absteigt. Im Gespräch mit handball-world.com äußerte sich der sympathische angehende A-Lizenz-Inhaber u. a. zu seinen Beweggründen, seinen Plänen und seiner Verabschiedung bei der SG.


Deine Entscheidung für den HC Empor Rostock hat bei einigen Beobachtern für Verwunderung gesorgt. Was waren deine Beweggründe?

Till Wiechers:
Für mich waren letztlich zwei Dinge entscheidend: Zum einen habe ich einen Verein gesucht, bei dem ich das Gefühl habe, dass ich mich wohlfühlen werde und mit den Menschen vor Ort harmoniere. Mir ist ein großer Zusammenhalt innerhalb des Vereins wichtig, so dass man gemeinsam an einem Ziel arbeitet. Bei meinen Gesprächen mit den Verantwortlichen des Vereins habe ich festgestellt, dass diese Rahmenbedingungen in Rostock gegeben sind. Es ist mir aber wichtig zu betonen, dass dieser Punkt auch bei den anderen Vereinen, mit denen ich zuletzt verhandelt habe, gegeben war. Zum anderen möchte ich bei meinem neuen Verein etwas mit einer langfristigen Perspektive aufbauen. Der HC Empor Rostock ist seit jeher eine echte Marke im deutschen Handball gewesen und zusammen mit dem VfL Gummersbach hinter dem THW Kiel der Verein mit den meisten nationalen Titeln in Deutschland. Die Tradition die dahinter steht, ist etwas, das mich an dieser Aufgabe reizt. Natürlich waren die letzten Jahre sportlich nicht sehr erfolgreich, aber ich bin mir sicher, dass der Neuaufbau gelingen kann. Dieser Neuaufbau ist die Herausforderung, die ich gesucht habe und ich freue mich darauf, den Verein hierbei zu begleiten und meinen Teil zum Gelingen beizutragen.

Dankbar bin ich vor allem meiner Frau Kathrin, die trotz einer eigenen Physiopraxis in Flensburg, bereit war mit mir nach Rostock zu ziehen.

Empor-Geschäftsführer Stephan Stübe hat betont, dass dein Fünf-Jahres-Plan die Verantwortlichen überzeugt hat. Was beinhalt dieser?

Till Wiechers:
Zunächst einmal ist natürlich der Anspruch des Vereins, den Weg zurück in die Zweite Liga zu schaffen. Darüber hinaus ist es mein Ziel, als Trainer in die Erste Liga zu kommen. Meiner Meinung nach ist der HC Empor Rostock trotz der aktuellen sportlichen Situation eine Macht und hat die Voraussetzungen sowie Strukturen, dass ich mir den Traum der Ersten Liga vielleicht sogar in Rostock erfüllen kann.

Mein Ziel ist es auf jeden Fall, hier in den fünf Jahren etwas aufzubauen, so dass wir es schaffen können, mit einer zielstrebigen jungen Mannschaft eine gute Rolle in der Zweiten Liga zu spielen und vielleicht die Chance zum Aufstieg haben.

Ich will aber deutlich sagen, dass dies Zukunftsvisionen sind. Zunächst liegt der Fokus klar auf anderen Prioritäten. Das erste Ziel ist, dass wir so schnell wie möglich anfangen hart zu arbeiten. Der direkte Wiederaufstieg ist ganz klar nicht unser erstes Ziel. Es muss allen bewusst sein, dass die Konkurrenz in der Dritten Liga riesengroß ist. Sollten wir in die Nordstaffel kommen, werden wir auf Mannschaften treffen, die ebenfalls in die Zweite Liga wollen und hierfür auch finanzielle Mittel sowie eine gewachsene Struktur und eine eingespielte Mannschaft haben. Von daher müssen wir die kommende Zeit bestmöglich nutzen, um der Mannschaft schnellstmöglich ein Profil zu geben und langfristig auch wieder nach oben zu kommen.

Hast du schon konkrete Vorstellungen über den Kader der kommenden Saison?

Till Wiechers:
Es werden mehrere Spieler den Verein verlassen, so dass wir auf jeden Fall neue Spieler verpflichten werden. Somit wird es eine Mischung aus alten und neuen Spielern geben. Für meinen Fünf-Jahres-Plan habe ich konkrete Spielernamen im Kopf, die ich nach und nach – also nicht unbedingt bereits in diesem Sommer – zum Verein holen möchte. Ich denke, dass ich aufgrund meiner bisherigen Tätigkeit durchaus ein Experte der Nachwuchsarbeit bin und somit habe ich auch einen guten Überblick, welche Spieler uns weiterhelfen können. Klar ist aber auch, dass der HC Empor Rostock einige tolle Talente in seinen Reihen hat, so dass mein erster Blick in diese Richtung gehen wird.

Wirst du neben der Trainertätigkeit auch noch weitere Aufgaben übernehmen?

Till Wiechers:
Neben der Tätigkeit beim HC Empor Rostock werde ich meine Firma „PREPARE TO WIN“ weiter behalten und betreiben. Ich habe dort viel Leidenschaft, Zeit und natürlich auch finanzielle Mittel hineingesteckt und mittlerweile auch einen guten Kundenstamm aufgebaut. Somit werde ich auch weiterhin meine Spieler aus u.a. der Ersten und Zweiten Liga betreuen, da ich ihnen gegenüber schließlich auch eine Verantwortung habe. Natürlich ist der HC ab nun ganz klar meine erste Priorität. Für den HC Empor Rostock werde ich nicht nur als Trainer sondern auch als Sportlicher Leiter tätig sein. Dies beinhaltet zum einen, dass ich zusammen mit dem Geschäftsführer für die Kaderplanung und –zusammenstellung verantwortlich bin. Zum anderen werde ich in dieser Funktion aber auch als Bindeglied zwischen dem Nachwuchsbereich und dem Gesamtverein aktiv sein. Dort wird mein Hauptaugenmerk zunächst einmal darauf liegen, Zusammenhalt zu schaffen und gemeinsame Ziele zu entwickeln

Worauf können sich die Fans des HC Empor Rostock in der kommenden Saison freuen?

Till Wiechers:
Zunächst einmal finde ich es großartig, dass die Halle trotz des feststehenden Abstiegs immer sehr gut gefüllt bzw. ausverkauft ist. Das zeigt deutlich die Verbundenheit der Menschen mit dem HC Empor Rostock und dem Handballsport. Insofern ist es mir wichtig, die Leute mitzunehmen und für die Mannschaft zu begeistern. Ich sehe es so: Früher gab es den autoritären Trainer, der von oben gesagt hat, was die Spieler zu machen haben. Wenn er richtig gut war, hat er ihnen dazu auch noch ein paar Tipps gegeben, wie sie es machen sollen. Ich finde aber, dass es darüber hinaus noch einen wichtigen Punkt gibt, nämlich das Warum. Bezogen auf die Fans geht es also darum: Warum soll ich in die Halle kommen und die Mannschaft anfeuern? Warum bin ich am Ende der Saison stolz auf meine Mannschaft? Aber das gilt eben auch für die Spieler: Warum gehe ich zu jedem Training und versuche dort alles zu geben, was ich kann? Dieses „Warum“ ist für mich das Entscheidende, was für den Fünf-Jahres-Plan steht, denn ich möchte der Marke des HC Empor Rostock dieses „Warum“ geben. Die Menschen sind das Wichtigste für mich bei meiner Arbeit als Trainer und daher möchte ich individuell auf die Spieler eingehen und das Potential jedes Einzelnen ausschöpfen. Ich bin mir sicher, dass wir, wenn das gelingt, alle zusammen – egal ob Spieler oder Fan – eine gute Zeit haben werden.

Eins ist ganz klar: Nicht nur die Fans können sich auf etwas freuen, sondern ich freue mich vor allem auch auf sie und auf die Halle. Ich möchte es den Zuschauern ermöglichen, sich mit dem Verein zu identifizieren. Ich möchte, dass die Leute künftig nach einem Spiel zufrieden nach Hause gehen und stolz auf ihre Mannschaft sind, egal, ob es einen Sieg oder eine Niederlage gegeben hat.

Wann wirst du mit der Arbeit für den HC Empor Rostock beginnen?

Till Wiechers:
Ich werde meine Tätigkeit bereits am 01. Juni aufnehmen. Zwar ist die aktuelle Saison dann noch nicht abgeschlossen, aber gerade im Hinblick auf die Kaderzusammenstellung möchte ich gern so früh wie möglich beginnen. Klar ist aber auch, dass ich mir bereits Gedanken mache – sprich: Mein Kopf arbeitet schon jetzt für den HC Empor Rostock.

Auszug aus dem Interview von handball-world.com (12.05.2017)

Foto: FL-Arena (Archivfoto)