Oranienburg/Rostock. Als Dennis Mehler 23 Sekunden vor Schluss zum 25:22 traf, stand es fest: Die Drittliga-Handballer des HC Empor Rostock überwintern als Spitzenreiter der Staffel Nord. Am Sonnabend
gewannen die Schützlinge von Trainer Till Wiechers die letzte Partie des Jahres beim Oranienburger HC mit 25:23 (13:16) und feierten damit den 14. Sieg im 17. Spiel. Eine beeindruckende Zwischenbilanz, die
wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte – vor allem nicht nach den schweren Verletzungen von Robin Breitenfeldt und Stefan Wilhelm. Der Blick auf die Tabelle fühle sich „genial“ an, strahlte Wiechers
nach der Partie, die seinem Team alles abverlangte. 1050 Zuschauer sorgten dafür, dass sich die Oranienburger MBS-Arena über 60 Minuten in einen Hexenkessel verwandelte. Davon ließen sich auch die
Hamburger Unparteiischen Daniel Lochner und Kevin Mottig anstecken, die Zweiminutenstrafen lange Zeit recht einseitig gegen die Gäste verhängten. Auch die Zahl der Siebenmeter (7:1) spiegelte keineswegs das Abwehrverhalten beider Teams wider. Die Ostseestädter ließen sich dadurch aber nicht aus dem Tritt bringen. Zwar wurde zunächst aus einer 12:8-Führung nach 20 Minuten bis zur Pause ein 13:16-Rückstand, doch wie sich Empor in der zweiten Hälfte zurückmeldete, war beeindruckend. „Da hat Leon Mehler überragend gehalten und wurde von der Abwehr glänzend unterstützt“, lobte Wiechers. Das Ergebnis: Die Hausherren erzielten nach der Pause noch ganze sieben Treffer. Auch vorn lief das Spiel der Rostocker. Die beiden Außen Nick Witte und Janos Steidtmann imponierten mit ihrer Treffsicherheit – sie erzielten zusammen 17 Tore. Damit hatten sie großen Anteil daran, dass die Gäste beim 19:19 (47.) ausgeglichen hatten und vier Minuten später wieder führten (23:20). Witte zeigte zum zweiten Mal hintereinander eine Galavorstellung. Nach seinen neun Toren gegen die Reserve des SC Magdeburg vor Wochenfrist traf er diesmal sogar elfmal. „Wir haben uns als Mannschaft gepuscht und uns in der zweiten Halbzeit noch mal aufgerappelt“, zeigte sich der 23-Jährige bescheiden. „ Nick hat ein richtig starkes Spiel gemacht. Es waren ja nicht nur einfache Tore, die er erzielt hat“, lobte Wiechers. Der Coach freute sich
aber auch darüber, dass „wir in der Schlussphase unsere Überzahlaktionen richtig gut ausgespielt haben“. In den letzten zehn Minuten verhängten die Schiedsrichter dann doch noch vier Zeitstrafen gegen die Gastgeber – die Rostocker nutzten die Überzahlsituationen erstaunlich abgeklärt. Unmittelbar nach der Partie in Oranienburg haben sich Spieler und Trainer in den verdienten Festtagsurlaub verabschiedet. „Die Pause kommt uns schon gelegen. Das Programm seit Ende August war kräftezehrend und sehr emotional“, sprach Nick Witte aus, was alle im Team empfanden. Anfang des Jahres steigt die Mannschaft wieder ins Training ein, bevor am 27. Januar mit dem Heimspiel gegen den HSV Hannover das Restprogramm beginnt – mit dem HC Empor als Spitzenreiter.

Oranienburg: Herold, Szabo, Porath –Bohle, Genilke, Schmöker 9/6, Dömeland, Wertz, Schindel 2, Müller 4, Scharge 3, Spickers 1, Ökzüz, Sauß 1, Kohnagel 3.
Rostock: Wetzel, L. Mehler – Meuser 3, Steidtmann 6, L. Witte, Schütze, Schramm, D. Mehler 1, Völzke, N. Witte 11/1, Höwt, Asmussen 1, Haasmann 1, Zboril, Mehrkens 2.
Siebenmeter: OHC 7/6, Empor 1/1.
Strafminuten: OHC 10, Empor 10.