Rostock. Als Jakub Zboril freie Bahn hatte, hielt sich der mitgelaufene Janos Steidtmann zum Kempa bereit. Zboril schaute kurz, entschied sich aber gegen das Kabinettstückchen und setzte mit einem straffen Wurf zum 31:17 (12:11) den Schlusspunkt. „Ich dachte, die Zeit wäre schon abgelaufen, deswegen habe ich selber geworfen. Das war nicht egoistisch“, meinte der Torschütze
mit einem breiten Siegerlächeln. Die Drittliga-Handballer des HC Empor Rostock haben einen perfekten Start ins Sportjahr 2019 gefeiert. Mit dem Kantersieg über den HSV Hannover und dank des Patzers von Verfolger Eintracht Hildesheim, der tags zuvor mit 24:28 in Burgwedel verloren hatte, bauten sie ihre Tabellenführung in der Staffel Nord aus. Zwölf Runden vor Schluss wird der Aufstiegstraum immer greifbarer. Ein ganz wichtiges Signal kommt aus der Führungsriege. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung mit den sportlichen Leistungen noch nicht Schritt halten kann, will Empor einen Lizenzantrag für die zweite Liga stellen. Das bestätigte Klubchef Tobias Woitendorf am Rande des Spiels. Der Vorstand möchte die derzeitige Handball-Euphorie nutzen,
um die Rückkehr ins Unterhaus zu ermöglichen. „Aber es wird kein Harakiri geben. Wir werden nur aufsteigen, wenn es finanziell machbar ist“, meinte Woitendorf, der eine furiose zweite Hälfte von Empor sah. Die Gastgeber benötigten eine halbe Stunde, um die Winterpause aus den Beinen zu schütteln. In der ersten Halbzeit war die Fehlerquote im Angriffsspiel ungewöhnlich hoch. Die Gastgeber patzten mehrfach im Abschluss. Zudem leisteten sie sich einfache Ballverluste. Auf der Gegenseite hatte der HCE zunächst Probleme, die Anspiele an den Kreis zu unterbinden. Folgerichtig gerieten die Hausherren mit 6:8 ins Hintertreffen. Trainer Till Wiechers stellte sein Team auf mehreren Positionen um. Doch die Wechsel brachten zunächst nichts. Beim 9:11 nahm der Coach eine Auszeit – und fortan lief es besser. Torhüter Robert Wetzel parierte einen Wurf und schickte Nick Witte mit einem weiten Pass auf die Reise. Im Sprint fing der Linksaußen den Ball, sprang und versenkte ihn zum 11:11 im Gäste- Tor. Der spektakulärste Treffer des Tages. Wenig später brachte Witte seine Mannschaft in Führung. Ein Doppelschlag durch Philipp
Asmussen und Janos Steidtmann zum 14:11 (31.) war der perfekte Auftakt für eine begeisternde zweite Halbzeit. In der Deckung packten die Hausherren nun richtig zu. Was dennoch durchkam, wurde zu einer Beute von Wetzel. Der Schlussmann, der von den Fans mit „Robert!, Robert!“-Rufen gefeiert wurde, war mit seinen Paraden Ausgangspunkt von mehreren Tempogegenstößen.
Mit einem weiten Pass bediente Wetzel seinen Teamkollegen Steidtmann, der den Ball von der für ihn ungewohnten linken Seite gefühlvoll zum 16:12 (34.) im TSV-Tor versenkte. Neun Minuten
später führte Empor mit 23:14 – die Entscheidung. „Unser Tempospiel hat in der zweiten Halbzeit super funktioniert. Das war der Schlüssel“, meinte Robert Wetzel. Die Fans stimmten schon kurz vor Schluss Jubelgesänge an. „Einer geht noch, einer geht noch rein“, sangen die knapp 700 Zuschauer in der ausverkauften Ospa-Arena beim Stand von 29:17. Es folgten sogar noch zwei weitere
Treffer.

HC Empor Rostock: Wetzel, L. Mehler – Meuser 4, Steidtmann 7, L. Witte, Schütze 2, Schramm 3, D. Mehler 1, Völzke 2, N. Witte 5, Höwt 1, Asmussen 3, Haasmann, Zboril 3, Mehrkens.

HSV Hannover: Heuer, Lange – Mertens, Czok 1, Benckendorf , Forst 1, Bausch 1, Labitzke 1, Wolf 2/2, Klages 3, Kellner 1, Muscheiko 4, Quedenbaum, Schiebler 2, Müller 1.

Siebenmeter: HCE keinen, HSV 2/2.
Strafminuten: je 6.