26:17 – die Rostocker Handballer zähmen die Mecklenburger Stiere und untermauern ihre Aufstiegsambitionen / Drei Rote Karten im Derby

Rostock. Alle Augen in der Stadthalle sind auf den Superstar gerichtet. Mit den Worten „Hallo, Rostock! Was geht ab?“, betritt Marten Laciny, alias Marteria, mit dem Spielball in der Hand das Feld. Erstmals seit über 30 Jahren ist die Arena bei einem Empor-Spiel ausverkauft. 4631 Zuschauer (Vereinsrekord!) fiebern dem Handball-Derby gegen die Mecklenburger Stiere entgegen. „Ich wünsche euch ein schönes Spiel, vor allem meiner Mama, die heute Geburtstag hat“, sagte Marteria und heizt damit die Stimmung an. Die Wünsche gehen in Erfüllung – zumindest aus Rostocker Sicht.Mit einer beeindruckenden und begeisternden Vorstellung sichern sich die Gastgeber den Erfolg im prestigereichen Duell. Mit einem 26:17 (16:7)-Kantersieg untermauerten die Ostseestädter ihre Aufstiegsambitionen, wahrten ihre weiße HeimWeste – es war der 13. Doppelpunkt Gewinn im 13. Spiel – und revanchierten sich für die 25:26-Hinspiel Niederlage. HCE-Trainer Till Wiechers geriet nach der „überragenden Leistung“ seiner Truppe ins Schwärmen. „Das war kein normales Handball-Spiel. Das war eine Ansage der gesamten Stadt. Empor ist zurück“, meinte der 35-Jährige mit Blick auf die einst ruhmreichen Zeiten des Klubs. Die heutige Spieler-Generation riss die Zuschauer förmlich von den Sitzen. Empor war von Beginn an hellwach – vorn wie hinten. Mit einer spektakulären Rettungsaktion verhinderte Philipp Asmussen einen Kempa-Trick der Schweriner und leitete den Führungstreffer von Tim Völzke ein. Und es ging munter weiter – 6:2. Die Schiedsrichter Maik Bolus und Sven Foitzik brachten zusätzlich Farbe ins Spiel. Eine Abwehraktion von Nick Witte gegen Nikolas Passias werteten die Referees als Ellenbogencheck und zeigten dem Empor-Linksaußen die Rote Karte. „Bei einer Zwei-Minuten-Strafe hätte ich nichts gesagt, aber Rot war es nicht“, meinte Witte. Sein Bruder Leon wurde zwölf Minuten vor dem Abpfiff von Passias rüde attackiert. Danach erhitzten sich die Gemüter. Es folgte eine Rudelbildung. Der Grieche Passias wurde des Feldes verwiesen. Den dritten roten Karton in einer keineswegs überharten Partie zeigten die Unparteiischen, die angesichts der Kulisse übermotiviert wirkten, dem Rostocker Ole Schramm (dritte Zeitstrafe). Ungeachtet der einen oder anderen strittigen Entscheidung zogen die Rostocker unbeirrt ihre Kreise. Sie packten in der Abwehr zu und gefielen durch variables Angriffsspiel. Die erstligareife Kulisse „hat uns mega viel Kraft gegeben“, meinte Nick Witte. Die Schweriner indes zeigten sich beeindruckt. „Die Rostocker waren uns in allen Belangen überlegen“, anerkannte StiereCoach Mannhard Bech. „Glückwunsch an Empor. Das war ein überragendes Event – vielleicht einmalig in dieser Form in der dritten Liga.“ Auch Marteria war von der „Wahnsinns-Stimmung“ begeistert. „Das war Werbung für den Handball-Sport in Rostock. Ich wünsche Empor den Aufstieg“, meinte der Rapper – und seine Mutter Birgit genoss derweil ein Gläschen Geburtstagssekt.

HC Empor: Wetzel, L. Mehler – Meuser 7, Steidtmann 1, L. Witte 2, Schütze, Schramm 1, D. Mehler 1, Völzke 3, N. Witte 2/1, Höwt 1, Asmussen 2, Haasmann 2, Zboril, Mehrkens 4/4. Mecklenburger Stiere: Kominek, Heinemann – Mark Pedersen 6/4, Grämke 1, Grolla 1, Prothmann 1, Weßeling, Schröter, Barten 1, Zufelde 2, Aust, Morten Pedersen 3, Passias 2, Krutzky, Pärt, Leu. Siebenmeter: Empor 5/5, Stiere 6/4.

Strafminuten: Empor 12 und Rot gegen N. Witte (10.) und Schramm (55.), Stiere 8 plus Rot gegen Passias (49.).