27:20 – Empor grüßt von der Tabellenspitze

Rostock. Das Spiel läuft noch, als Olaf Bernert ein Transparent in die Höhe hält. „Tabellenführer“ steht in großen Lettern geschrieben. Dem Trommler und Fan des HC Empor steht die Freude ins Gesicht geschrieben. Als der Schlusspfiff ertönt, lassen auch die Rostocker Handballer ihren Emotionen freien Lauf. Sie stürmen jubelnd aufeinander los, umarmen sich, bilden einen Kreis, hüpfen vor Freude und rufen lautstark „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!“ Nach einem 27:20 (13:8)-Erfolg über den Dansk HK Flensborg grüßt Empor von der Tabellenspitze der 3. Liga.

„Das ist ein schönes Gefühl“, meint Philipp Asmussen. „Wir versuchen, nicht darauf zu achten und frei aufzuspielen“, fügte der 22-Jährige hinzu. Während die Fans noch feierten, bremste Trainer Till Wiechers die Euphorie. „Am Ende werden wir nicht da oben stehen“, meinte der 35-Jährige. „Unser Ziel sind die Plätze sechs bis acht. Von daher wissen wir, dass wir noch eine ganze Menge zu tun haben.“

Das stimmt. Empor hat noch Reserven. Beispielsweise im Konterspiel. Auch über den Kreis passiert noch zu wenig. Doch wie schon in den vergangenen Heimspielen fiel das auch gegen die Fördestädter nicht ins Gewicht, da sich Empor als geschlossene Einheit präsentierte. Wiechers lobte die „wahnsinnige Einstellung und Energie“ seiner Spieler, die leidenschaftlich in der diesmal offensiv ausgerichteten Abwehr rackerten. Der Funke sprang auf die Ränge über.

„Ich hatte zehn Mal das Gefühl, dass wir die Halle abreißen“, beschrieb Wiechers die Stimmung auf den Rängen. Doch die Party wurde immer wieder unterbrochen, weil das Kampfgericht patzte, Wischpausen eingelegt werden mussten oder die schwachen Schiedsrichter Konstantin Großer und Christopher Witt mit fragwürdigen Entscheidungen reichlich Diskussionsstoff lieferten.

Beim Stand von 3:1 wurde Tim Völzke von Timmi Ejmar umgerissen. Statt Freiwurf für Empor entschieden die Referees auf Stürmerfoul. Im Gegenzug gab es in einer ähnlichen Situation Siebenmeter für die Gäste. Für Unverständnis sorgte auch eine Zeitstrafe gegen Tim Völzke. Der Rückraumspieler ging nach seiner Herausstellung zur Bank, kehrte aber kurz aufs Feld zurück. Die Folge: Empor kassierte eine weitere Strafe. Wiechers brachte Asmussen, der sofort da war. Der Linkshänder erzielte mit einer schönen Einzelleistung das 7:5. Wenig später holte er einen Siebenmeter heraus, den Felix Mehrkens verwandelte. Empor baute in doppelter Unterzahl seine Führung aus – und die Halle tobte.

Sonderapplaus verdienten sich der überragende Torhüter Leon Mehler, der unter anderem drei Strafwürfe entschärfte, der von Asmussen mehrfach glänzend freigespielte Jonas Steidtmann (sieben Versuche, sieben Tore) und Robin Breitenfeldt, der nach einem Ballgewinn im Fallen spektakulär auf Stefan Wilhelm passte, der per Tempogegenstoß das 18:10 erzielte.

Geht es nach Fans und Spielern, könnte das Empor-Hoch noch lange anhalten. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen und immer unsere Bestleistung bringen“, versicherte Philipp Asmussen.

HC Empor: L. Mehler, Wetzel – Steidtmann 7, Meuser 2, Breitenfeldt 2, Schramm 2, N. Witte 4/2, Wilhelm 2, Völzke, Schütze, Mehrkens 2/1, D. Mehler, Asmussen 4, Zboril, Höwt 1, Haasmann 1.

DHK: Basenau, Wendt – Heinker, Pedersen 1, Jessen, Blumenberg, Wickert-Grossmann 1, von Eitzen 3, Ejmar 1, Wenske, Tölle 4/4, Zinndorff 1, Desler 3, Skaaning Linnebjerg 5.

Siebenmeter: Empor 3/3, DHK 7/4. Strafminuten: Empor 8, DHK 12.

Stefan Ehlers

(Ostsee-Zeitung)