Die Rostocker verspielen beim 26:25 eine vier Tore Führung.

Schwerin. Noch elf Sekunden. Siebenmeter für den HC Empor. Felix Mehrkens schnappt sich den Ball. Der Rechtshänder täuscht kurz an, zielt und trifft zum 25:26. Doch Mehrkens jubelt nicht. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen versucht er, den Mecklenburger Stieren die Kugel noch einmal zu entreißen. Vergeblich. Aus, Schluss und vorbei. Die Siegesserie der seit zehn Runden ungeschlagenen Rostocker Handballer ist gerissen. „Schade! Wir hätten uns, den Fans und der Region Rostock den Derby-Sieg gegönnt“, meinte Tim Völzke. Empor-Trainer Till Wiechers sagte: „Das Wichtigste ist, dass wir ein Riesenspektakel gesehen haben.“ Natürlich sei er „traurig und enttäuscht“, fügte der 35-Jährige hinzu. Einen Vorwurf machte er seiner Mannschaft nicht. Im Gegenteil: „Ich bin trotzdem stolz auf das, was sie in den vergangenen Wochen geleistet hat.“ Die 3560 Zuschauer in der Schweriner Sport- und Kongresshalle, darunter mehrere Hundert Rostocker Schlachtenbummler, sorgten gestern nicht nur für einen neuen vereinsinternen Drittliga-Rekord. Sie erlebten eine tempo-, abwechslungs- und facettenreiche Partie, in der die Gäste lange Zeit eindrucksvoll unter Beweis stellten, dass sie völlig zu recht an der Drittliga- Spitze stehen. Die junge Rostocker Truppe (Durchschnittsalter 22,4 Jahre) gefiel durch die reifere Spielanlage und war über weite Strecken die bessere Mannschaft. Für eine Schrecksekunde sorgte Robin Breitenfeldt. Der Rostocker Spielmacher fasste sich nach 13 Minuten an den linken Oberschenkel. Er humpelte zur Seitenlinie, verschwand mit Physiotherapeut Daniel Tschiersch in der Kabine und kam nach wenigen Minuten zurück. Kaum hatte Breitenfeldt wieder auf der Bank Platz genommen, erzielte der starke André Meuser das 8:6 (17.) für die Gäste. Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff kehrte Breitenfeldt aufs Spielfeld zurück. Der 20-Jährige humpelte, biss aber auf die Zähne und erzielte im vierten Versuch sein erstes Tor – 13:11. Empor war in der Schlussminute erneut in Ballbesitz, hätte den Vorsprung auf drei Tore ausbauen können, doch ein leichter Fehler im Angriff brachte die Stiere zurück. Christian Zufelde markierte unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff den Anschlusstreffer – und gab damit das Startsignal für eine dramatische zweite Hälfte.
Die Gäste rackerten aufopferungsvoll in der Abwehr und führten nach dem Wechsel 16:13 und 19:15 (40.). Doch die Ostseestädter banden den Sack nicht zu. Felix Mehrkens und Michael Höwt scheiterten freistehend am Ex-Rostocker Jan Kominek, der mit seinen Paraden maßgeblichen Anteil hatte, dass die Partie kippte. „In der einen oder anderen Szene haben wir Kominek zum Weltmeister geworfen. Ärgerlich, dass wir den Sack nicht zugemacht haben!“, resümierte Völzke. Auf der Gegenseite erzielte Stiere-Kapitän Lutz Weßeling in derentscheidenden Phase wichtige Treffer. Weßeling traf zum 23:23, wenig später brachte Theodoros Evangelidis die Gastgeber in Führung. Janos Steidtmann gelang im Gegenzug der Ausgleich, doch in den Schlussminuten hatten die Schweriner das Momentum auf ihrer Seite und schafften mit dem Derby-Sieg den Sprung in die Spitzengruppe. Empor hingegen bleibt
Tabellenführer. „Es ist nichts passiert“, meinte Torhüter Robert Wetzel. „Unser Weg ist gut. Weiter geht’s!“, fügte der Schlussmann mit Blick auf die Heimpartie am Sonntag gegen MTV Braunschweig (17.00 Uhr, Ospa-Arena) hinzu. zugemacht haben!“, resümierte

 

Statistik

Mecklenburger Stiere: Kominek, Heinemann– Mark Pedersen 7/4, Grämke,Prothmann, Weßeling 4, Barten 2, Evangelidis 4, Zufelde 5, Aust, Morten Pedersen, Passias 3, Krutzky, Pärt 1,Leu.

HC Empor Rostock: Wetzel, L. Mehler – Steidtmann 2, Meuser 6, Breitenfeldt 5, Schramm 1, N. Witte, Wilhelm 2, Schütze, Asmussen, Völzke 3, Mehrkens 4/3, Höwt 1, Zboril, Haasmann, D.Mehler 1.
Siebenmeter: Stiere 5/4, Empor 4/3.
Strafminuten: Stiere 6, Empor 4.