Der einstige Weltklasse-Torhüter entflieht dem Geburtstagstrubel / Hochzeit mit einer Norwegerin sorgte für Aufsehen
Rostock. Dem ganz großen Trubel geht Klaus-Jürgen Prüsse aus dem Weg. Der einstige Weltklasse-Torhüter, der heute seinen 80.Geburtstag feiert, verbringt das Wochenende mit seiner Familie an der Ostsee. Statt Blumen und Geschenken wünscht sich „Jimmy“ Spenden für die Jugendarbeit des HC Empor. Prüsse fühlt sich auch mit 80 den Rostocker Handballern immer noch eng verbunden. Jeden Dienstag schaut er beim Training vorbei. „Das sind tolle Jungs. Sie liegen mir am Herzen“, sagt Prüsse, dessen Laufbahn 1954 bei Einheit Wismar begann. Seine  Sternstunde erlebte der 30 fache DDR-Nationalspieler 1963 beim WM-Finale auf dem Großfeld in Basel. Vor 20 000 Zuschauern brachte Prüsse die gegnerischen Angreifer zur Verzweiflung. Die DDR gewann Gold. „ Natürlich ist es das Größte, Weltmeister zu werden“, sagt Prüsse, der zudem zwei Mal WM-Silber und zwei Meistertitel mit dem SC Empor Rostock errang. Ob Spiele in der alten Omnibushalle Wismar, Feldhandball im Ostseestadion oder Europacup Schlachten mit Empor in Marienehe – viele Partien sind ihm in Erinnerung geblieben. Zum Beispiel die WM 1964 in der Tschechoslowakei. Zwar scheiterte die DDR bereits in der Vorrunde, aber mit „Jimmy“ Prüsse und Hans Beier sowie Jürgen Hinrichs, der in den fünfziger Jahren über Wolfsburg in die USA ausgewandert war und für die Amerikaner zwischen den Pfosten stand, waren bei den Titelkämpfen drei Rostocker Torhüter in Aktion. Prüsse sorgte auch außer halb des Spielfeldes für Aufsehen. 1960 lernte er seine Frau Laila, eine Handballerin aus Norwegen, kennen. Als erste ostdeutsche Mannschaft war Empor in Oslo zu Gast. Das Wiedersehen folgte beim Neujahrsturnier, als Laila mit ihrem Verein in Rostock zu Gast war. Es folgten über 300 Briefe innerhalb von sechs Jahren, ehe sie sich entschloss, in die DDR überzusiedeln. 13 Jahre nach der Hochzeit durfte der gebürtige Prenzlauer das erste Mal mit seiner Familie nach Skandinavien reisen. „Jimmy“ und Laila, die über drei Jahrzehnte als Sprachlektorin an der Uni Greifswald arbeitete, haben zwei Töchter und drei Enkelkinder. „Ich wünsche mir vor allem Gesundheit für die Familie“, sagt der Jubilar, der regelmäßig die Heimspiele des HC Empor verfolgt. „ Der Aufstieg wäre schön, ist aber kein Muss“, meint Prüsse, der dem Trubel nur vorübergehend entfliehen kann. „ Der kommt im Nachhinein“, sagt er und lacht.