Drittliga-Handballer des HC Empor Rostock gewinnen glücklich mit 20:19 / Tabellenführer mit starker Abwehrleistung, aber mit Schwächen im Angriff Bernburg/Rostock. Noch 14 Sekunden waren zu spielen, als Empor- Trainer Till Wiechers eine letzte Auszeit nahm. Doch seine Schützlinge vertändelten anschließend den Ball, die Gastgeber kamen zu einer letzten Chance. Die vereitelte der überragende Torhüter Leon Mehler und rettete am Sonnabend somit den 20:19 (9:12)-Sieg der Rostocker Drittliga-Handballer beim SV Anhalt Bernburg – nach einem 16:19-Rückstand zwölf Minuten vor Schluss! „Das war ein glücklicher Sieg, den wir unserer Abwehr zu verdanken haben“, atmete Wiechers nach dem Abpfiff tief durch. Gegen einen Gegner mit einer aggressiven Deckung und vor 490 Zuschauern, die die enge Bruno-Hinz-Sporthalle in Bernburg in einen Hexenkessel verwandelten, tat sich seine Mannschaft vor allem im Positionsangriff ungewohnt schwer. Hinzu kam, dass SVA-Schlussmann Max Mohs ebenfalls einen richtig guten Tag erwischt hatte. So gerieten die Ostseestädter nach einer 2:0-Führung schnell in Rückstand (5:8/20.), der zwischenzeitlich sogar auf vier Tore anwuchs (9:13/32.). „Die Bernburger haben immer geführt, das hat ihnen zusätzliches Selbstvertrauen gegeben“, sagte Wiechers. Am Ende habe die gute Abwehrarbeit seiner Sieben den achten Sieg in Folge beschert. Ein Sonderlob hatte der Coach für Leon Mehler bereit: „Er hat heute die entscheidenden Bälle gehalten.“ Dagegen war Wiechers mit dem Angriffsspiel seiner Mannschaft diesmal überhaupt nicht zufrieden. „Die erste Welle hat so gut wie gar nicht funktioniert, über die zweite Welle haben wir viel zu wenig Druck erzeugt.“ Glücklicherweise bewahrten die Außen Janos Steidtmann (5 Tore) und Nick Witte (4) sowie Linkshänder André Meuser (4) das eine oder andere Mal kühlen Kopf. Das war auch deshalb notwendig, weil die Leipziger Schiedsrichter Sebastian Fuß und Stefan Olsok nicht ihren besten Tag hatten. Dennoch sah es lange Zeit so aus, als würde der Tabellenführer seine dritte Saisonniederlage kassieren. Doch nach dem 16:19 aus Gästesicht glichen Maximilian Schütze, Felix Mehrkens und Tim Völzke plötzlich zum 19:19 (52.) aus. Dass in den verbleibenden gut acht Minuten nur noch ein Treffer fiel, verdeutlicht, wie sehr diese Partie im Zeichen der Abwehrreihen stand. 237 Sekunden vor Ultimo erzielte Meuser den 20:19- Siegtreffer – danach folgten bis zur Mehler-Parade und dem Abpfiff noch bange Minuten. Dass die Partie in Bernburg überhaupt ausgetragen wurde, ist ein kleines Wunder. Ende Oktober hatte der Trägerverein des SV Anhalt einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem das Finanzamt bei einer Prüfung schwere Fehler festgestellt hatte. Doch Lizenznehmer war nicht der insolvente Trägerverein, sondern der SV Anhalt Bernburg selbst. Daraufhin wurde ein Förderkreis gegründet, der das wirtschaftliche Kommando übernahm und mit einem Kraftakt die Weiterführung des Spielbetriebs sicherte. Für den HC Empor geht die Punktejagd am kommenden Sonnabend weiter. Dann empfängt der Tabellenführer die Reserve der Füchse Berlin (20 Uhr, Ospa-Arena) und strebt den elften Heimsieg in Folge an.
SV Anhalt Bernburg: Link, Mohs – Cieszynski 3, Kraft 1, Marschall, Friedrich 1, Ackermann 2, Schulze 1, Sliwka, Grafenhorst 2, Coßbau 1, Richter 6/2, Godon 2.

HC Empor Rostock: Wetzel, L. Mehler – Meuser 4, Steidtmann 5, L. Witte, Schütze 2, Schramm, D. Mehler, Völzke 1, N. Witte 4/1, Höwt, Asmussen 1, Haasmann 1, Zboril, Mehrkens 2/2.

Siebenmeter: Bernburg 2/2, Empor 4/3.

Strafminuten: Bernburg 4, Empor 6.