Leon Mehler hat die vergangenenTage genossen. Seine Eltern und sein Bruder Luca Toni, die in Burg Stargard leben, waren in Rostock zu Besuch. Im Kreise der Familie ließ der 19 Jahre alte Handball-Torhüter den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere Revue passieren. Mehler kehrte mit Bronze von der U-20-Europameisterschaft aus Slowenien zurück. „An der Medaille kann man sich das ganze Leben festhalten“, meint der 1,96 Meter große Schlussmann. Zwei freie Tage hat ihm Empor-Trainer Till Wiechers gegönnt. Heute steigt Leon Mehler in die Saisonvorbereitung des Drittligisten ein. Statt Frankreich und Portugal heißen die Gegner am Wochenende beim Turnier in Oranienburg Magdeburg II, SV Söhre sowie Gastgeber OHC.

Nach der U-19-WM im Vorjahr, als die deutsche Mannschaft in Georgien im Achtelfinale scheiterte und am Ende Rang neun belegte, sei ihm die Rückkehr in den Drittliga-Alltag schwergefallen, räumt Mehler ein. „Das war ziemlich schwierig vom Kopf her. Die WM fand erst im August statt. Ich war kaum zurück, da fuhren wir gleich zum DHB-Pokal“, erinnert sich Mehler. Derartige Anpassungsschwierigkeiten sind diesmal nicht zu erwarten. Wie Wiechers setzen auch die U-20-Trainer André Haber und Klaus-Dieter Petersen auf das System mit dem siebten Feldspieler. „Das gehört zum modernen Handball dazu“, meint Leon Mehler, der mit Empor viel vorhat. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen“, sagt er. Realistisch sei eine Platzierung zwischen drei und sechs. „Dieses Jahr gut gestalten und nächste Saison voll angreifen“, hat Leon Mehler die Rückkehr in die zweite Liga fest im Blick. Seinen Vertrag hat er bis 2020 verlängert. „Ich finde gut, was sich hier entwickelt, auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt“, meint Mehler, der vor zwei Jahren zusammen mit seinem anderen Bruder Dennis (18) vom SV Fortuna Neubrandenburg nach Rostock kam und der als gerade 18-Jähriger sein Zweitliga-Debüt feierte. In der kommenden Saison bildet er mit Rückkehrer Robert Wetzel (27) das wohl stärkste Torhütergespann der Liga. „Wir haben zwei Super-Torhüter – einen erfahrenen und einen jungen. Die werden sich hervorragend ergänzen und voneinander profitieren“, meint Wiechers. Auch Leon Mehler freut sich über Wetzels Verpflichtung. „Robert tut uns mit seiner Erfahrung gut. Er ist ein sehr kommunikativer Typ und kann uns jungen Spielern viel mitgeben“, meint Mehler, für den der Urlaub in diesem Jahr ausfiel.

Unmittelbar nach Ende der vergangenen Saison war er beruflich eingespannt. Bei der Gesellschaft für Leit- und Regeltechnik, einem Unternehmen mit Sitz in Papendorf, schloss er seine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration ab. Fast nahtlos schloss sich die EM-Vorbereitung an. Knapp 30 Länderspiele hat Leon Mehler bereits absolviert – sieben davon in Slowenien. Vier Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage (im Halbfinale gegen Frankreich) lautet die EM-Bilanz der deutschen Junioren. Den Einzug in die Hauptrunde belohnte der DeutscheHandballbund mit einem Essen beim Italiener – viel mehr Abwechslung war angesichts des straffen Programms mit sieben Spielen innerhalb von zehn Tagen nicht drin. „Am meisten haben wir auf der Fahrt vomHotel in Lasko nach Celje gesehen“, erzählt Leon Mehler. Spätestens auf der Rückfahrt vom Spiel um Platz drei (29:26 gegen Portugal) war der Reiz der slowenischen Berge verflogen. Da waren die Deutschen im Bronze-Fieber.

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung