Die Dramatik in der Schlussphase war kaum zu überbieten. Empor führte zweieinhalb Minuten vor dem Ende 19:18, als der überragende Empor-Torhüter Leon Mehler einen Wurf von Philipp Bauer mit den Fingerspitzen auf der Linie parierte. Doch die Schiedsrichter entschieden auf Tor – es war der erste Ausgleich der Hamburger seit Mitte der ersten Halbzeit. Und das Glück sollte den Empor-Männern auch in der Schlussphase nicht mehr hold sein. André Meuser traf den linken Pfosten, Tim Völzke kurz darauf vom Siebenmeterpunkt die Latte. Die knapp 50 mitgereisten Empor-Fans rauften sich die Haare.

15 Sekunden vor dem Ende nahm HSV-Trainer Torsten Jansen die letzte Auszeit – und die zahlte sich für den Favoriten aus. Der anschließende Freiwurf landete bei Kevin Herbst, der zum 20:19 traf. Es war die erste Führung des Spitzenreiters im gesamten Spiel. Und sie bedeutete zugleich den Siegtreffer, da Robin Breitenfeldt mit der letzten Aktion an Torhüter Jan Peveling scheiterte.

„Dieser Spielausgang ist extrem bitter, denn wir haben überragend gespielt, konnten alles umsetzen, wie wir es uns vorgenommen hatten. Auch viele Hamburger haben mir hinterher gesagt, dass wir hier mindestens einen Punkt verdient gehabt hätten“, erklärte Empor-Trainer Till Wiechers, der die unglückliche Niederlage mit einem lachenden und einem weinenden Auge sah: „Ich bin sehr traurig und enttäuscht, aber auch extrem stolz auf meine Mannschaft.“

Völlig unbeeindruckt von den 3570 Zuschauern in der vollbesetzten Alsterdorfer Sporthalle legten die Rostocker furios los (4:1/8.). Als Peveling mit einem Wurf ins verwaiste Rostocker Gehäuse der 5:5-Ausgleich gelang (14.), rechnete niemand damit, dass den Hausherren in den restlichen 16 Minuten der ersten Halbzeit nur noch ein Feldtor gelingen würde. Hinter einer praktisch fehlerlosen Abwehr wuchs Empor-Torhüter Leon Mehler über sich hinaus. So hatten die Ostseestädter zur Pause eine sensationelle 11:7-Führung herausgeworfen – und das trotz einer Null-Prozent-Quote vom Siebenmeterpunkt.

Nach dem Seitenwechsel konnte der HSV Hamburg den Rückstand zwar mehrfach auf einen Treffer verkürzen, doch die Gäste ließen sich davon nicht beirren und überstanden auch jene Phase, als zwischen der 46. und 48. Minute gleich drei Zeitstrafen gegen sie ausgesprochen wurden. Zwei Tore in Unterzahl durch André Meuser und Ole Schramm bedeuteten, dass der HC Empor eine 17:15-Führung in die letzten zehn Minuten mitnehmen konnte. Umso bitterer der Knockout Sekunden vor dem Ende der Partie.

Statistik:

HSV Hamburg: Palue, Peveling 2 – Tissier, Bauer 4, Weller 1, Ossenkopp 2, Axmann, Fuchs 2, Ehlers, Forstbauer, Rix 5, Kleineidam, Herbst 4.

HC Empor: L. Mehler, Jöhnck – Meuser 2, Iliopoulos, Schramm 3, Völzke, Höwt 3, Prüter 1, Haasmann, Lux, Breitenfeldt 4, J. Porath 6.

Siebenmeter: HSV 5/4, Empor 4/0.

Strafminuten: HSV 6, Empor 8.

 

Dirk Harten

(Ostsee-Zeitung)