Empor-Trainer Till Wiechers spricht vor dem Rückrundenstart über die Ziele der Rostocker Handballer

Sie waren beim Test der deutschen Handballer gegen Polen(35:23)in der Stadthalle. Was nehmen Sie als Klubtrainer von einem Länderspiel mit?

Till Wiechers: Ich habe es genossen, dass ich mal keine Entscheidung treffen musste. Die Stimmung hat mich begeistert. Das war ein Wink, wo es bei der Heim-WM hingehen kann. In der ausverkauften Stadthalle wollen wir auch mal spielen.

Zum Beispiel am31.März,wenn an gleicher Stelle das Derby gegen Schwerin ausgetragen wird?

Das wäre genial! 1500 Tickets haben wir schon allein dadurch verkauft, dass die Jungs losgezogen sind und Werbung gemacht haben.

Ihr Team ist Drittliga-Herbstmeister und hat die mit Abstand beste Abwehr. Ist das der Schlüssel zum Erfolg?

Es ist ein Schlüssel. Wir haben in den bisherigen Partien kein einziges Mal dreißig Gegentore bekommen. Das ist ein Verdienst der Abwehr in Verbindung mit den Torhütern, die eine starke Hinserie gespielt haben. Der wichtigste Schlüssel ist der Teamgeist. Wir haben es geschafft ,das Umfeld anzustecken. Das gibt wahnsinnige Kraft und Energie in Spielen, in denen es mal nicht so läuft. Abwehrarbeit ist immer Einstellungssache. Der Teamgeist ist ein extrem guter Motor. Darüber hinaus haben wir uns auch im Angriff im Vergleich zur Vorsaison deutlich weiterentwickelt. Wir sind viel flexibler geworden, haben eine größere Breite im Kader und sind schwer ausrechenbar. Irgendeiner wächst immer über sich hinaus.

Ihre Vorgabe war Platz sechs bis acht. Bis lang ist die Mannschaft deutlich überm Plan…

Das Ziel war zumindest nicht zu optimistisch (lacht). Wenn wir so weitermachen ,ist sicherlich mehr möglich. Aber ich werde jetzt nicht sagen, wir wollen Dritter, Zweiter oder Fünfter werden. Wir machen so weiter wie bisher und wollen jedes Spiel gewinnen.

Dann winkt der Aufstieg. Würden Sie mit der Mannschaft in die zweite Liga gehen?

Ich hätte gern noch ein Jahr gehabt, um sie weiterzuentwickeln. Aber wenn man die Chance hat, muss man sie wahrnehmen. Wir machen uns da aber keine Gedanken. Wir versuchen, in jedem Spiel Vollgas zu geben, haben aber das deutlich schwierigere Restprogramm im Vergleich zu den anderen.

Sie holen keinen Ersatz?

Nein. Ich wüsste momentan nicht, welcher Spieler reinpassen würde. Es ist auch nicht notwendig. Für unsere jungen Spieler ist es eine große Chance. Ich möchte die Jungs weiterentwickeln, mit ihnen aufsteigen und nicht nach dem Aufstieg eine neue Mannschaft kaufen. Jetzt müssen wir die nächsten Schritte gehen. Darauf freue ich mich.

Zum Rückrunden-Auftakt kommt am Sonntag die Zweite des SC Magdeburg in die Ospa-Arena(17Uhr).Im Hinspiel gab es eine Niederlage. Spielt das noch eine Rolle?

Ich hege keinen Groll. Und die Jungs haben sowieso den Willen, gewinnen zu wollen –ob wir das Hinspiel nun gewonnen haben oder nicht.

Ihr Credo lautet: Gewinnen mit Charakter. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Das ist doch nur Sport. Ob wir Dritter, Zweiter oder Erster werden–in drei Jahren interessiert das niemanden mehr. Sport ist schnell lebig. Da gibt es wichtigere Dinge.

Zum Beispiel?

Die Familie. Aber auch die Frage, wie wir mit einander umgehen. Vertrauen, Respekt, Integrität, Mitgefühl, Empathie –wenn jeder für diese Werte stehen würde, wäre vielen Menschen geholfen. Durch den Sport haben wir eine Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche. Diese Werte können dazu beitragen, sportlich über sich hinauszuwachsen. So wie wir es als Team des HC Empor Rostock gerade tun.