Nach Aufholjagd: Wetzel hält Punkt für Empor fest

Nach dem Schlusspfiff in der Berliner Lilli-Henoch-Halle tanzten die Empor-Spieler vor Freude im Kreis – und auch die mitgereisten Fans stimmten in den Jubel ein. Dabei mussten sich die Rostocker, die erstmals in ihrer Vereinsgeschichte insgesamt 16 Akteure einsetzten, beim bisherigen Schlusslicht Füchse Berlin II mit einem 27:27 (9:15) zufriedengeben.

Doch wie der Tabellenzweite, der elf Minuten vor dem Ende noch 18:25 in Rückstand lag, dieses Unentschieden aus dem Feuer riss, nötigte Respekt ab. Und so war auch Empor-Trainer Till Wiechers am Ende „superglücklich mit diesem Punkt. Es ist zwar eine Ehre, dass wir hier aufgrund unserer jüngsten Ergebnisse als Spitzenmannschaft begrüßt wurden, aber wir sind noch keine. Spitzenmannschaften sind auch in der Lage, zu gewinnen, wenn sie einen schlechten Tag erwischen.“ Sein Team habe sich mit der Favoritenrolle schwergetan, meinte der Coach.

Schon der Start misslang den Rostockern. Von den ersten sechs Angriffen konnten sie nur einen erfolgreich abschließen. Nach dem 1:4 (8.) kam Empor besser ins Spiel, doch nach dem 6:5 gerieten die Gäste erneut in Rückstand. „Ich war beim 9:15 zur Pause noch optimistisch, dass hier etwas geht. Doch beim 18:25 hatte ich die Hoffnung fast schon aufgegeben“, gestand der ehemalige Empor-Kreisläufer Norman Flödl, der jetzt bei Zweitligist Elbflorenz Dresden unter Vertrag steht. Am Sonnabend verband er einen privaten Besuch in Berlin mit dem Besuch des Empor-Spiels und war von der Aufholjagd begeistert: „Die Umstellung der Abwehr war sicherlich der Schlüssel zum Erfolg.“

In der Schlussphase setzte Trainer Till Wiechers alles auf eine Karte und schickte die zuletzt wegen Verletzungen pausierenden Jakub Zboril und Michael Höwt erstmals in dieser Saison auf die Platte. Das Duo spielte in der Abwehr fortan als „Abfangjäger“ und erzwang Ballgewinne. Fast wäre Fabian Haasmann zum Matchwinner geworden. Der 19-Jährige hatte knapp fünf Minuten vor dem Ende auf 25:26 verkürzt und seine Mannschaft kurze Zeit später sogar mit 27:26 (59.) in Führung geworfen. Als es Haasmann eine halbe Minute vor dem Abpfiff erneut probierte, verhinderte der Abwehrblock den möglichen Siegtreffer.

So hatten plötzlich die Gastgeber wieder die Chance, das Spiel für sich zu entscheiden. Als der Berliner Skroblien zum Wurf ansetzte, zog Michael Höwt die „Notbremse“ und sah dafür die Rote Karte. Den fälligen Siebenmeter parierte Robert Wetzel und rettete damit die Ehre der Torhüter, die in Berlin nicht ihren besten Tag erwischten. Doch auch das konnte Wiechers am Ende verschmerzen. „Leon hatte bislang eine überragende Quote von 50 Prozent, Robert von 45 Prozent. Es war mir klar, dass das nicht in jedem Spiel so weitergehen kann“, sagte der 35-Jährige. Der Empor-Trainer ist davon überzeugt, dass „dieses Erlebnis für die Entwicklung der Mannschaft ganz wichtig sein kann, wenn wir die richtigen Lehren daraus ziehen“. Und damit meint er die Entwicklung zu einer Spitzenmannschaft.

Füchse II: Genz, Deisting – Porath, Gliese 9, Skroblien 7, Fritz 4, Matthes 3, Coßmann 1, Düren 1, Mißling, Matzken 1, Schröder 1, Schnabel, Keskic.

HC Empor: Wetzel, L. Mehler – Steidtmann 6, Meuser 5, Breitenfeldt 3, Schramm 1, N. Witte 2/2, Wilhelm 2, Völzke 3, Schütze, Mehrkens, D. Mehler, Asmussen 1, Zboril 1, Höwt 1, Haasmann 2.

Siebenmeter: Füchse 2/0, Empor 3/2.

Strafminuten: Füchse 4, Empor 6 (plus Disqualifikation für Höwt/60.).

( von Dirk Harten)